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Großstadtzigeuner
(Großstadtzigeuner)
Deutschland
1932
Dokumention/Experimental Film

Zigeuner sind das romantische Element in Moholy-Nagys ungarischer Kindheit gewesen. Europas Vagabunden waren dem Aussterben nahe, und Moholy-Nagy wollte mit diesem Dokumentarfilm einen letzten Bericht geben.

Durch die Darstellung von Bewegung durch rhythmische Veränderungen der Schärfe und die Darstellung von räumlicher Tiefe durch Licht-Dunkel-Abstufungen wollte er eine Art ?Kamera-Wahrheit? entdecken. Das Prinzip der relativen Schärfe wurde in einer der Zigeunerszenen wirkungsvoll demonstriert: Eine Zigeunerin hatte einen Streit zwischen ihrer Schwägerin und dem weiblichen Oberhaupt des Lagers inszeniert. Im Gegensatz zu einer konventionellen Kameraführung, die die Gesichter der Streitenden anvisiert hätte, ihren wechselseitigen Ausdruck, ihr Keuchen und ihre Umklammerungen, begann Moholy-Nagy die Szene mit einer schnellen Folge von verwischten Schwenks über die Köpfe der Kämpferinnen hinweg, über schwankende Baumkronen, schräge Wagendächer und über die wackligen Schornsteine umliegender Häuser. Als Fäuste und fliegende Haare in den Brennpunkt traten, war der Impuls des Kampfes gegeben, welcher die tatsächlichen Einzelheiten eher irrelevant erscheinen ließ. Das vereinende Element, welches ein bestimmtes Sehmuster in einer bestimmten physischen Umgebung zeigte, war der durch gemeinsame Stimuli angeregte Antrieb der Gruppe zu einer spontanen Handlung. Strömender Regen, während Mensch und Tier an den Wagenfestern hängen und hoffnungsvoll das Vorüberziehen der Wolken beobachten; Klang der Fidel oder der Zitter und die gegenseitige magnetische Anziehung, die sich schließlich in einem Tanz kristallisiert.

(nach Aussagen von Sybil Moholy-Nagy in: Lásl? Moholy-Nagy, ein Totalexperiment. Mainz und Berlin, 1963, S. 69 f.)

Kompositionen:

Günter A. Buchwald

0 Neukomposition
  Ensemble (1 - 15 Musiker)    
 
Besetzung
Flöte, Klavier, Akkordeon, Violine, Kontrabass
     
 
Dauer in min.
14
sync fps
18
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