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Kleine Bruder, Der
(The Kid Brother)
USA
1927
Komödie

Nicht Charlie Chaplin, sondern Harold Lloyd war es, der in den 20er Jahren die größsten Erfolge in Hollywood feierte und mit Filmen wie AUSGERECHNET WOLKENKRATZER (1923) zur Ikone des amerikanischen Slapsticks wurde. In dieser späten Stummfilmproduktion aus dem Jahr 1927 verkörpert Lloyd den schmächtigen und nicht ernst genommenen jüngsten Sohn des Sheriffs einer hinterweltlerischen Kleinstadt. Mangelnde Muskelkraft muss er mit Erfindungsreichtum und Flinkheit ausgleichen, um sich gegen seine beiden grobschlächtigen Brüder und andere Feinde erfolgreich zur Wehr zu setzen. Aus seinem demütigenden Alltag wird Harold herausgerissen, als er Mary begegnet. Die attraktive Tänzerin ist Teil eines Wanderzirkus’, mit dem einige Probleme ins Dorf einziehen. Die korrupten Betreiber stehlen die Gemeindekasse, die Harolds Vater anvertraut wurde. Und natürlich wird der Sheriff bezichtigt, selbst der Dieb zu sein. Er schickt seine beiden muskelbepackten Söhne los, die Täter zu finden. Doch sie kehren ohne Ergebnis zurück. Ein glücklicher Zufall will es, dass ausgerechnet Harold das Versteck der Täter auf einem Schiffwrack ausmacht, diese mit viel Mut und Glück überwältigt und schließlich die Familienehre wieder herstellt, wenn er in letzter Sekunde seinem bereits verhafteten Vater das gestohlene Geld überreicht. Nun steht auch dem Liebesglück von Mary und Harold nichts und niemand mehr im Weg – der amerikanische Traum ist Wirklichkeit geworden.

Geschickt verknüpft Lloyd die komplex angelegten komischen Szenen mit den Charakteren und der Handlung, wobei immer wieder der Feinsinn für atmosphärische Werte und lyrische Momente zu spüren ist. Die in anderen Slapstick-Filmen so omnipräsenten Verfolgungsjagden treten in DER KLEINE BRUDER eher in den Hintergrund. Viel mehr Zeit verwendet Lloyd darauf, Harolds sensible Persönlichkeit und seine Beziehung zu Mary herauszuarbeiten. Nie war Lloyd reizvoller als in diesem Film, in dem er die schnelle Arglist der Hauptfigur gegen die ungeschickte Brutalität seiner Umwelt ausspielt.

Carl Davis hat 1995 für DER KLEINE BRUDER eine Neukomposition vorgelegt, die mit ihrem melodischen Reichtum und differenzierten Orchesterklang auf wunderbare Weise die atmosphärische Vielfalt des Films widerspiegelt. Auffällig ist die leitmotivische Arbeit, wobei der Ausdruckscharakter der personenbezogenen Themen stets dem jeweiligen Gemütszustand der Protagonisten angepasst wird. Mit rhythmischer Agilität werden die temporeichen Verfolgungsjagden begleitet, in romantisch-verträumten Momenten schlägt Davis hingegen lyrische Töne an.

Kompositionen:

Carl Davis (Neukomposition)

1995
  kleines Orchester (16 - 45 Musiker)    
 
Besetzung
1.1.1.0 - 1.1.1.0 - 2perc - pno/cel - strings
     
 
Dauer in min.
82
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