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NOSFERATU

 

 

Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens
(Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens)
Deutschland
1921
Fantasy / Horror

NOSFERATU wurde im Laufe der Filmgeschichte zwar häufig zitiert und oft kopiert, gilt jedoch immer noch als der Klassiker des Gruselfilms schlechthin. Nach Motiven des Romans DRACULA von Bram Stoker verfasst Henrik Galeen das Drehbuch für Friedrich Wilhelm Murnaus düsteres Filmschauspiel über einen grauenhaften Vampir, der in Gestalt des Grafen Orlok in eine Kleinstadtidylle eindringt. Der Unheimliche verbreitet Pest und Tod, bis sich eine junge Frau opfert und ihn den Sonnenaufgang vergessen lässt.

Murnau inszeniert im Stil des deutschen expressionistischen Films das Mystische, das Grauen auf sublime Weise. Der Film begleitet den Protagonisten mit zitternden Lichtreflexen, lässt ihn in Zeitlupe agieren, vergrößert seinen Schatten, spielt mit der Angst.

James Bernard vertonte unzählige englische Horror- und Gruselfilme der 1950er- und 1960er- Jahre und wurde berühmt für den „Hammer-Horror-Sound“. Er interpretiert Murnaus Meisterwerk als klassischen Horrorfilm, getreu dem Untertitel „Symphonie des Grauens“.

Die zeitgenössische Ensemble-Fassung von Michael Obst aus dem Jahr 2003 erzeugt einen faszinierenden Kontrast zu dem alten Filmmaterial. Die einzelnen Bilder werden von der Komposition sehr fein abgenommen und farbig instrumentiert. Flächig und atmosphärisch breitet sich die – für eine zeitgenössische Komposition vergleichsweise einfach zu spielende – Musik aus und erzeugt eine subtile Spannung.

Charakteristisch für Pierre Osers Vertonung von NOSFERATU ist die klangliche Trennung zwischen der (zunächst noch) „heilen“ Welt von Thomas Hutter in Wisborg (Orchester) und dem Leben des Grafen Orlok / Nosferatu in den Karpaten sowie während der Schiffsüberfahrt (Chor). Mit der Ankunft Nosferatus in Wisborg werden die vokalen und instrumentalen Klänge zusammengeführt und verdeutlichen dadurch das Aufeinanderprallen der beiden Welten, das schließlich im dramatischen Finale seinen Höhepunkt findet.

Die lateinischen Texte für den Chor sind jenen Passagen aus Ovids „Metamorphosen“ entnommen, die von Seuchen, Krankheiten, Katastrophen und dem Tod berichten. Der Chorpart zeigt zwar eine gewisse Verwandtschaft mit der Gregorianik, wird jedoch durch zeitgenössische Harmonik, Clusterbildungen und treibende Rhythmen zu einem düsteren Klangbild verdichtet und trägt dadurch vielleicht zu einer ungewohnten Rezeption und Interpretation dieses über neunzig Jahre alten Stummfilmklassikers bei.

Der junge Thomas Hutter wird von seinem Maklerbüro in die Karpaten geschickt, um einem Grafen ein Haus zu verkaufen. Dass dies keine gewöhnliche Geschäftsreise ist, wird dem jungen Hutter klar, als er sich der Burg des Grafen Orlok nähert. Die einheimischen verweigern ihm die Hilfe, sind tief erschrocken, als sie erfahren, wohin der junge Mann reist. Das Blutsauger-Thema wird zum ersten deutlich angeschnitten, als Hutter sich mit einem Messer verletzt und sein unheimlicher Gastgeber sich förmlich auf ihn stürzt. Und als Hutter am nächsten Morgen mit zwei unerklärlichen Wunden am Hals erwacht. Im Folgenden geht es um die blutjunge Frau, die der Held zu Hause zurückgelassen hat. Mit einer Kutsche und dann in einem Sarg, befördert auf einem rattenverseuchten Geisterschiff, nähert sich Nosferatu der schönen Naiven und gewinnt mit gleichsam telepathischen Mitteln Macht, vielleicht sogar erotische Macht über sie. Sie opfert sich wie unter Hypnose, gibt sich ihm hin und Nosferatu vergisst die Zeit. Überrascht vom Licht der aufgehenden Sonne vergeht er wie Rauch. (Reclam Filmklassiker)

Kompositionen:

Michael Obst

2003
  Ensemble (1 - 15 Musiker)    
 
Besetzung
1/Picc/Altfl.0.1+BassKl.1/KFg - 0.2.2.0 - Schlz. Klav - Streicher (1.0.1.1.1)
     
 
Dauer in min.
93
sync fps
18

James Bernard

1997
  großes Orchester (ab 46 Musiker)    
 
Besetzung
2/Pic.2+EHr.2+BassKl.2+KFg - 0.4.2TenorPos+2BassPos.1 - 4Schlzg mit Pk.Klav - Streicher (14.12.8.8.4) Für eine kleinere Besetzung ist es auch möglich, nur eine Bassposaune zu besetzen und die Streicher zu minimieren (10.8.6.4.3).
     
 
Dauer in min.
94
sync fps
18,5 (deutsche Filmfassung)

Pierre Oser

2012
  kleines Orchester (16 - 45 Musiker)    
 
Besetzung
4perc(timp) - str - choir
     
 
Dauer in min.
94
sync fps
18

Baudime Jam

2002
  Ensemble (1 - 15 Musiker)    
 
Besetzung
strings 6-6-4-4-1 (5 strings bass)
     
 

Bernd Wilden

2014
  kleines Orchester (16 - 45 Musiker)    
 
Besetzung
2(2/picc).2(2/EH).2+bcl.2(2/cbsn) - 3.2.3.0 - timp+perc - pno - hp - strings
     
 

José M Sánchez-Verdú

2003
  großes Orchester (ab 46 Musiker)    
 
Besetzung
2.1.2.Sax.1. - 2.2.2.0. - 2perc - SMez hp - acc - strings
     
 
Dauer in min.
93
sync fps
19

Hans Erdmann

1921 Originalmusik
  kleines Orchester (16 - 45 Musiker)    
 
Besetzung
1.1.2.0 - 0.1.1.0 - 2 perc - pno+harm - (Streicher) 1.1.1.1.1
     
 
Dauer in min.
94
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