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Phantom der Oper, Das
(Phantom of the Opera, The)
USA
1925
Drama

Die früheste der Filmversionen, die auf dem Roman von Gaston Leroux aus dem Jahre 1910 basieren, ist auch diejenige, die dem Buch am nächsten kommt. Lon Chaney – „Der Mann mit tausend Gesichtern“ – paßte so perfekt in die Rolle des Phantoms, daß der Regisseur Rupert Julian beim Lesen des Drehbuchs erklärte ‚Lon Chaney – oder es ist nicht machbar‘. UNIVERSAL verpflichtete schließlich Chaney, der aber war über den selbstherrlichen Stil des Regisseurs so verärgert, dass es zu ständigen Auseinandersetzungen auf dem Set kam. Die Aufnahmen zogen sich über zehn anstrengende Wochen hin. Trotz der Schwierigkeiten war der Film ein sagenhafter Erfolg. Einige Szenen, speziell die unmaskierten, brachten das Publikum zum Erschaudern. Die 1995 restaurierte Filmkopie enthält die berühmten Technicolorsequenzen mit originaler Colorierung und Farbeffekten.

DAS PHANTOM DER OPER ist die letzte Musik, die der britische Musiker Roy Budd vor seinem frühen Tod im Alter von 47 Jahren komponiert und mit der sich der brillante Jazzer (GET CARTER) selbst neu erfunden hat. Es ist Roy Budds Meisterwerk geworden, eine detailliert orchestrierte, thematisch reichhaltige Partitur im spätromantischen Gestus. Das Hauptthema, zunächst vorgestellt von einer Orgel, spiegelt perfekt die morbide Romantik der Geschichte wider, die Obsession des Phantoms mit der Opernsängerin Carlotta, die den Fängen des ent- stellten Musikers zu entkommen versucht. Auch das Thema für die Beziehung zwischen diesen beiden Menschen, das sich durch die ganze Musik zieht, ist gleichzeitig abgründig und klang- schön, zerbrechlich und beklemmend wie eine Variation auf Wagners TRISTAN UND ISOLDE. Kongenial vermischt Budd hier extra-diegetische und diegetische Musik in einer Symbiose, die von den Musikern höchste Konzentration erfordert und Budd als souveränen Könner ausweist, der mit dieser komplexen Partitur wiederentdeckt werden kann und muss.

Die Filmmusik von Carl Davis bezieht sich einerseits stark auf Gounods FAUST, eine Pariser Opernproduktion, die den Hintergrund der Handlung darstellt, andererseits spiegelt sie ausdrucksstark den Charakter des Phantoms wider - in den Worten des Komponisten: „Entsetzen, pures Entsetzen“.

In der Pariser Oper geht es um: ein geheimnisvolles Phantom hält sich unbemerkt hinter den Kulissen und Mauern des weitläufigen Gebäudes auf, um seiner Favoritin, der noch jungen Sängerin Christine eine Hauptrolle zu verschaffen. Tatsächlich treibt er den Terror soweit, daß Christine den begehrten Sopran singen darf, doch ihr Herz kann das Phantom nicht damit erobern, denn das gehört schon bald dem Adeligen Raoul. Als die Zuneigung für den Maskierten deutlich wird, entführt er schließlich das junge Talent in die weitläufigen Katakomben des Gebäudes...

Kompositionen:

Roy Budd

1993
  großes Orchester    
 
Besetzung
3.3.3.3 – 5.4.3.1 – timp.2perc – elorg/hrpscd – hp – str
     
 
Dauer in min.
106

Carl Davis

1996
  großes Orchester    
 
Besetzung
1+1/pic.1+1/ca.1/escl+1/bcl.1+1/cbsn - 4.2.3.1 - timp + 3 per - org - hp - strings
     
 
Dauer in min.
93
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