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Orlacs Hände
(Orlacs Hände)
A
1924
Drama

Die filmische Interpretation von Maurice Renards Roman LES MAINS D’ORLAC führte den CALIGARI-Regisseur Robert Wiene und den CALIGARI-Schauspieler Conrad Veidt erneut zusammen. Das Lexikon des Internationalen Films beschreibt ORLACS HÄNDE als einen spätexpressionistischen Stummfilm, der realistische Kriminalfilm-Motive mit Elementen der seinerzeit noch jungen Wissenschaft der Psychologie verbindet und damit die Bewusstseinslage der unsicheren 20er-Jahre zum Ausdruck bringt. Und im zeitgenössischen „Kinematographen“ vom 8. Februar 1925 wird hervorgehoben, dass „ORLACS HÄNDE bereits thematisch eine Bereicherung unseres gleichförmig gewordenen Kinospielplanes bedeutet. Selbst in den Provinzkinos wird man den Realismus herkömmlicher Produktion gern durch ein Werk phantastischer Wucht unterbrechen.“

Henning Lohners Neukomposition für ORLACS HÄNDE liegt für großes Symphonieorchester vor. Der Komponist versteht ORLACS HÄNDE als Modell für alle Horrorfilme, die das Thema Organtransplantation bearbeitet haben, und variiert in seiner Musik eine Reihe genretypischer Klangbilder. Er analysiert die Dramaturgie und Techniken der späteren Horrorfilm-Musik, projiziert sie auf eines der frühen Meisterwerke des Genres und erreicht dadurch einen paradoxen Effekt: Der Stummfilm stellt sich ganz pur dar - in seiner Gebärdensprache, in seiner spezifischen Zeitlichkeit, in seiner besonderen Fähigkeit, den Horror, der aus der reinen Imagination kommt, als den schlimmsten Horror erleben zu lassen. Das Grauen der verschwiegenen Dinge und Gegenstände, die in diesem Film so effektvoll inszeniert sind, ist auf subtile Weise in der Musik weitergeführt. Sie taucht ein in das Spiel von Helle und Schwere, von Halbdunkel und Schatten und entlockt der stummen Sprache des Films den Schrei, der in Orlacs hermetischer Welt nicht hörbar ist.

Paul Orlac ist ein begnadeter Konzertpianist, dem bei einem schweren Eisenbahnunglück beide Hände abgetrennt werden. Um ihm das Klavierspielen wieder zu ermöglichen, transplantiert man ihm die Hände eines Toten. Nach einer langwierigen Heilungsphase ist der Künstler endlich wieder in der Lage, das Klavier zu spielen. Kurze Zeit später erfährt Paul Orlac jedoch, dass seine neuen Hände die Hände des hingerichteten Raubmörders Vasseur sind. Er gerät in Panik und wird zunehmend von der quälenden Vorstellung heimgesucht, mit den Händen des Mörders auch dessen unheilvollen „Vorlieben“ übernommen zu haben. Als einige Tage danach sein Vater tot aufgefunden wird und auf dem Dolch Vasseurs Fingerabdrücke gesichert werden, gerät Paul Orlac an den Rand eines Nervenzusammenbruchs - die Ereignisse überschlagen sich ...

Kompositionen:

Henning Lohner (Neukomposition)

2000
  großes Orchester (ab 46 Musiker)    
 
Besetzung
1+1/pic+1/alto.2+1/ca.2+1/ bcl.2+1/cbsn - 4.3.2+btrb.1 - timp.3perc.drums - cel + solo pno - hp - str
     
 
Dauer in min.
90
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