zurück Print Version

Konzertrezensionen:

Ostthüringer Zeitung, 14. Juni 2013

Osterländer Zeitung, 16. Juni 2013

 

Richard Wagner
(Richard Wagner)
Deutschland
1913
Historie

Der Film RICHARD WAGNER stammt aus dem Jahre 1913, also aus der Frühzeit des Kinos, und zeigt zum 100. Geburtstag „des großen Meisters“ zum ersten Mal ein umfassendes Portrait des Komponisten. Aus urheberrechtlichen Gründen konnte der Film damals nicht mit Richard Wagners Originalkompositionen unterlegt werden. Giuseppe Becce, der aufgrund seiner äußerlichen Ähnlichkeit mit Richard Wagner als Schauspieler für den Film verpflichtet worden war, schlug vor, eine Musik zu komponieren, die eine eindeutige Verbindung zum Werk Richard Wagners herstellt, sich jedoch so von ihm unterscheidet, dass keine juristischen Konsequenzen zu fürchten seien. 

In seiner Musik zu RICHARD WAGNER verwendet Giuseppe Becce Musiken von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Gioachino Rossini, die er jedoch nicht nur atmosphärisch im „Off“ oder als „Source“-Musik“ einsetzt. Ihm geht es – im Gegensatz zu den Produzenten des Films – offensichtlich nicht darum, ein kunstbeflissenes Potpourri bekannter Werke zusammenzustellen. Vielmehr entwickelt er einen Ansatz von filmischer Musikdramaturgie, indem er die Musik schneidet oder auch (agogisch) verzerrt, mit musikalischen Symbolen nahezu leitmotivisch arbeitet und auf diese Weise auch Szenen miteinander verknüpft. Mit seiner musikalischen Arbeit für diesen Film legte Giuseppe Becce den Grundstein für seine spätere Arbeit als Filmkomponist und als Verfasser von Kinotheken sowie seines Standardwerkes „Allgemeines Handbuch der Filmmusik”. 

Der Film ist als Initial für eine Vielzahl von filmischen Wagner-Rezeptionen zu betrachten, die bis heute in Wechselwirkung mit der Darstellung von Wagners Werk auf der Bühne stehen. Obwohl nach der Premiere die verkürzte und glorifizierende Darstellung des Lebens Wagners und die aufwändige Ausstattung des Films kritisiert wurden, gilt heute der an vielen Originalschauplätzen gedrehte Film als ein historisches Dokument von außerordentlichem Wert. 

Zur Feier des 200. Geburtstages von Richard Wagner wird nun das 100 Jahre alte Filmwerk in einer rekonstruierten viragierten Fassung als 35mm-Filmkopie wieder zugänglich gemacht. Zu diesem Anlass produzieren ZDF/ARTE den Film für das Fernsehen und als DVD mit einer neuen, durch den Komponisten Bernd Schultheis hergestellten Orchesterfassung von Giuseppe Becces Musik.

Zur Musik: Bernd Schultheis richtet die Musik unter Berücksichtigung von Becces filmdramaturgischen Anlagen neu ein. Obwohl heute, mehr als 75 Jahre nach dem Tod des Komponisten, die Musik Wagners verwendet werden dürfte, wird hier die Musik erklingen, die von Giuseppe Becce angelegt wurde. Die neue Orchesterfassung soll entsprechend nicht allein eine Kompilation von überlieferten Musiken in der Originalfassung sein. Die Instrumentation wird, wo es dramaturgisch angelegt ist, nicht immer der Originalpartitur des jeweiligen Komponisten folgen, sondern den Anforderungen des Filmes und der Perspektive des heutigen Betrachters Rechnung tragen. So entsteht eine sanfte Brechung, wie sie auch Dimitri Schostakowitsch häufig verwendet, um auf diese Weise eine ernsthafte, jedoch nicht um ein vermeintliches Original ringende Auseinandersetzung zu ermöglichen.

Inhalt: „Der Film schildert Leben und Werk des großen Komponisten Richard Wagner. Seine  Lehrjahre als Student, als er schon mit 16 seinem Professor helfen kann, seine erste Stelle als Kapellmeister in Lauchstädt mit 21 – die er vor allem deshalb annimmt, weil er sich in eine dortige Schauspielerin verliebt hat. Erste Erfolge in Dresden, mit 30 wird er königlicher Hofkapellmeister. Aber dann werden DER FLIEGENDE HOLLÄNDER und TANNHÄUSER vom Publikum ausgebuht und Misserfolge. Wagner durchlebt eine wechselhafte Karriere, er wird gefeiert, verrissen, er wird in Intrigen des Adels verwickelt und von Politikern missbraucht. Schließlich findet er in König Ludwig II. von Bayern einen treuen Förderer.“ (Deutsches Filminstitut)

Kompositionen:

Bernd Schultheis

2013 rekonstruierte Musik von Guiseppe Becce
  großes Orchester (ab 46 Musiker)    
 
Besetzung
2+1/pic.2+1/ca.1+1/piccl+1/ bcl.2+1/cbsn – 4/Wagnertb.3.3.1 – timp.2perc – pno – 2hp – strings
     
 
Dauer in min.
90
zurück